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Samstag, 8. Oktober 2016

armenien. gegenwart.familiengeschichten


      

Die Geschichte der Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei ist weit über 2000 Jahre alt. Nach dem Völkermord zu Beginn des 20 Jh. führte vor allen der Pogrom von Istanbul 1955 zu einer großen Auswanderungswelle, heute leben nur noch 70000 Armenier in der Türkei. Die allmähliche Öffnung der türkischen Zivilbevölkerung führt jedoch zu einer stärkeren Selbstartikulation der armenischen Gemeinschaft
Armenischer Ritus in der Kirche zum Heiligen Kreuz im Osten der Türkei.












Spuren in Anatolien
Mit dem Film AGHET    https://de.wikipedia.org/wiki/Aghet_%E2%80%93_Ein_V%C3%B6lkermord

 hat sich in der Vergangenheit armenischer Familien etwas ereignet: Schicksalsschläge die bis heute nachwirken. In der  heutigen Enkelgeneration ist der GEnozid ein Ziel geworden nach Spuren kultureller  und familiärer Umgebung zu suchen.
Geschichten von Eltern, die zusehen mussten wie ihre Kinder ermordet und mißhandelt wurden oder verhungerten, haben sich als traumatische Szenen eingebrannt. Jeder Überlebende hat eine andere verstörende Geschichte, jeder sprach anders und schwierig davon.

 http://www.ndr.de/kultur/film/Aghet-Ein-Voelkermord,aghet102.html


Ein Grund mehr, sich auf Spurensuche zu begeben .



 Immer wieder fällt auf, dass die Fragen nach Armeniern verneint  werden. "Gab`s hier nicht !" Armenien auf anatolischem Gebiet- da muss man abseits der großen Strassen fahren um Erinnerungen von Armeniern zu finden- und das hat die bekannte Schauspielerin Sesede Terziyan gemacht, und ich nehme euch mit auf die, ihre ergreifende Reise durch dieses Land.
Kleine Strassen und Wege bis nach ANI, der türkischen Stadt, die die alte armenische Hauptstadt Ostanatolien war- direkt am ARPA CAYI gelegen, dem Grenzfluss zu  Armenien.
Datei:Double-Walls-Northside-Ani-Armenia-1885.png 
Schilder verleugnen die armenische Geschichte, obwohl die Osttürkei gleichzeitig auch Westarmenien ist. In Ani haben vor 1000 Jahren ca. 100000 Menschen gelebt und in Synagogen,  Kirchen und Moscheen hat man friedlich nebeneinander gebetet.





Kathedrale in Ani


Und wenn die Berliner Schauspielerin Sesede Terziyan, eine Armenierin aus Anatolien in die Weite der Steinwüste schaut und die Bauten und Ruinen den Monumentalbauten und deren Wuchtigkeit  von Ani sieht, dann ist sie ergriffen und sagt:" ich komme hier an und bin völlig überwältigt."
Überwältigend ist es auch für mich wenn ich diesen Bericht und den Erfahrungen von Sesede lese, denn die Vergangenheitsfrage und die eigene  Herkunftsfrage ist auch in unserer Familie zur Zeit ein großes Thema. So haben wir erst vor ein paar Monaten von einem Onkel nähere Umstände aus dem 2. Weltkrieg erfahren ( aber das ist eine andere <Familiengeschichte<)


Sesede Terziyan, Ostanatolien, 2014.
 Sesede war mit dem Berliner Komponisten Marc Sinan, türkisch-armenischer Herkunft, unterwegs. Seine armenische Großmutter VAHIDE lebte nördlich von Ani in TRABZON am schwarzen Meer. Marc begibt sich einigen Jahren auf Spurensuche und er sagt" die Erlebnisse werden weniger schlimm als beim ersten Mal."
Löcher- graben hat er gesehen und das ist an der Tagesordnung, denn " man sucht seit dem Völkermord nach Gold, was in den armenischen Kirchen vermutet wird!.

Der größte Teil der 1912 registrierten Klöster und Kirchen waren 2200 armenische Gotteshäuser in der Osttürkei und diese wurden 1915 zerstört oder zweckentfremdet. Die Gregor-Erleuchterkirche in Kayseri wird heute als Sporthalle genutzt und die Muttergotteskirche dient als Viehstall und die Bäuerin entleert ihr Schmutzwasser dort.


Karte: Iran.,Landkarte, am kleinen See liegt die Muttergotteskirche



 Marc findet das einen Skandal: ein Sakrileg " So ein Ort ist das  Zeichen wo Menschen gelebt und gebetet haben, aber trotz aller Vergangenheit sollte man damit respektvoll umgehen "
Die Entschuldigung lautet:" Die Menschen gehen so respektvoll damit um wie sie mit dem Mitmenschen umgehen die heute hier leben- eine Metapher für den Umgang mit der Geschichte und der Gegenwart"








File:20110419 Church of Redeemer Collage Ani Turkey.jpg


 An vielen Stellen wo 1915 die Armenier vertrieben wurden, hat man Kurden angesiedelt. So hat man  den Armeniern es schwer gemacht zurück zukehren, andereseits konnte man die Verantwortung für diese schrecklichen Verbrechen auf die Kurden schieben.
Und das wurde  jahrzehntelang den türkischen Schulkindern eingeschärft "  Kurden haben die Armenier abgeschlachtet!!"
Trotz alledem gibt es heute einige gute Beispiele einer kurdisch armenischen Anerkennung. So zum Beispiel im Kloster Varagavank wo eine kurdische Familie die Anlage pflegt. Und auch im Kloster Akdamar im Vansee sind armenische Gottesdienste zugelassen und immer mehr Touristen betreten die armenischen Kirchenruinen die in Ostanatolien sind . Oft sind es Amerikaner, die in der Diaspora in L:A: leben und ihre Familiengeschichten sind alle ähnlich.







Marc Sinan und Sesede Terziyan auf "Spurensuche" in Ostanatolien 2014.ä


Sesede und Marc in Ostanatolien 2014
Die Großeleltern sind aus Anatolien und die Enkelbesucher sind in < fremden< Ländern geboren und sie machen sie auf den Weg der Vergangenheit und finden spuren von historischen Stätten und perönlichen Elementen. Viele Besucher kommen aus Deutschland und Frankreich und USA.
Ein Vorfahre von Marc Sinan war Anlass einen Film über Komitas Vakapet, ein Kronzeuge im Prozess zum Völkermord,zu machen. Und Marc ist nach Anatolien gereist, um die Kulisse für den Film zu drehen- verfallene Klosterruinen an Original- Schauplätzen, Marc wollte für Komitas ein Gedenken setzen. 2015 wurde der Film uraufgeführt
Mit dem Film und vielen anderen Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen und Musikaufführungen wurde dem 100.Jahrestag des Völkermordes gedacht

Kunst schafft Ausdruck
Mit dem Film Aghet bleibt für viele Angehörige, egal ob in Armenien oder anderswo geboren, ein wichtiger Punkt in ihrer Familiengeschichte.
Sesede Terziyan, die zum Ensemble des Gorki- theaters gehört, erzählt,dass sie als Kind im Haus des Großvaters spielte und dort eine vom Opa selbstgeknüpfte Gebetskette fand. Diese behielt sie und nach vielen Jahren riss diese Kette- ein Zeichen für sie, denn seitdem versucht sie die Kette ihrer armensichen Familie neu zu knüpfen. Ihre Familie hat diese Forschungen nicht  unterstützt: "Man hat nicht darüber gesprochen und hat keine -Fragen gestellt"
Da sind Traumaerlebnisse verschwiegen worden, aber das muß aufbrechen und kultiviert werden, das Gespräch suchen ist wichtig" 

Sesede Terziyan auf dem Plakat des Gorki Theaters zur Ankündigung der Veranstaltungsreihe zum Völkermord an den Armeniern. 




 "Sprich nicht darüber, das ist Sünde", hat auch die armenische Großmutter, Vahide Akman, zu Marc Sinan in seinen Kindertagen befohlen

zum  100. Gedenktag an den Genozid hat Marc das Kunstprojekt Aghet seiner Großmutter gewidmt,das  mit den Dresdnern Sinfonikern initiiert wurde. Der Inhalt der Musikalität waren Werke aus der Türkei ( Zeynep Gedizliòglu )  aus Armenien von Vache Shafafian und aus Deutschland von Helmut Oehring, nach der Uraufführung begann die Tournee nach Bagdad, nach Eriwan und nach Istanbul. Mit dem politsich brisanten Thema wurde das Gastspiel in der Hauptstadt Istanbul ein Wagnis, als es an den Ort des Geschehens zurückkehrte

Quelle: www.bpb.de
Shermin Langhoff (Deutschlandradio Kultur/ Norbert Wassmund)

 Shermin Langhoff-- Deutschlandradio Kultur

Im April 2015, anläßlich des 100. Jahrestages des Gedenken wurden die Verbrechen an den Armeniern von 1914 bis 1918 von Bundespräsident Joachim Gauck und dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammers als Völkermord bezeichnet und die Regierung einigte sich in diesem Jahr auf eine Anerkennung. Gleichwohl wissen wir , wie die aktuelle Lage in der Türkei ist, dabei wäre eine Anerkennung der multikulturellen Geschichte  eine wichtige Bedingung um  endlich die Vergangenheit abzuwenden und eine entspannte Situation würde die Türkei nachhaltig befrieden..



File:Ani.mosque.jpgMenucehr Moschee, Ani



 Ich weiß sehr wohl um die großen Probleme und Sorgen vor und in unserem eigenen Land, aber darüber hinaus möchte ich auch an andere Völker erinnern, die es wert sind, dass sie unser Interesse  verdienen, was wäre die Welt ohne Wertschätzung des Anders-sein.
Ihr wisst es- hoffentlich auch der zur Zeit uneinsichtige Mob!!!!! 


Samstagsgrüße ::))


verlinkt zu : ANDREA    und dem Samstagsplausch

1 Kommentar :

  1. Wow, da hast du eine Menge zusammen getragen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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